Initiativen, bürgerschaftliche Engagements, Vereinigungen und Kollektive gibt es mit den verschiedensten Anliegen und Vorhaben. In diesem Blogbeitrag möchte ich euch von meiner Erfahrung bei der Umsetzung von Be Wild Film berichten.

Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit sind meine persönlichen Herzensangelegenheiten, was für mich erst einmal bedeutet, dass ich mich als Privatperson, um ein umweltschonenderes und bewussteres Leben bemühe. Mir ist es aber auch genauso wichtig, mich bei Ortsgruppen von Umweltbewegungen zu engagieren. Auch bin ich Mitgründerin des ersten Unverpackt Laden in meiner Stadt (Offenburg). Ich mag es, mich mit anderen Menschen zu engagieren und Gemeinschaftlichkeit für das selbe Thema zu spüren.

Allerdings habe ich dank meines Studiums noch ganz andere Interessen. In den letzten Jahren legte ich meinen Fokus auf Filmproduktion und war hauptsächlich mit studentischen Spielfilmen beschäftigt. Diese erfüllten mich künstlerisch sehr und ich konnte mich in verschiedenen Bereichen ausleben. Jedoch sehnte ich mich mit der Zeit mehr danach, mein Interesse am Mitwirken zu mehr Umwelt- und Klimaschutz auch in meine Arbeit einfließen lassen zu können. Mit dem Aufkommen von Fridays for Future und der allgemeinen Stimmung, dass jetzt der Moment gekommen sei etwas beitragen zu können, wohnte dieser Gedanke noch mehr Menschen aus meinem Umfeld inne.

So wurde ich 2019 Teil meines eigenen Projekt-Kollektivs. Mit Be Wild Film entstand das Vorhaben, Filme über Klima Aktivismus und die Klimakrise zu produzieren und wir drehten unseren ersten Dokumentarfilm: „Be Wild – die Normalität ist radikal“. Mit der Kamera begleiteten wir Klima Aktivismus in Bewegungen und im Privaten, besuchten eine solidarische Landwirtschaft und dokumentierten ein kleines Bienenparadies. Alles ohne Budget, alles selbst finanziert. Da wir die Produktionskosten und unseren CO2-Fußabdruck gering halten wollten, reisten wir mit dem Fahrrad und mit dem Zug. Für diese „kleine“ Art von Filmproduktion funktioniert das 0-Budget Prinzip ganz gut. Weil uns das Projekt am Herzen liegt, war es für alle Beteiligten in Ordnung, das eigene Geld dafür zu nutzen. Es ging uns primär um die Sache und um das Projekt und nicht darum, Geld damit zu verdienen.

 

Bei unserem zweiten, aktuellen Projekt „Der unberechenbare Faktor“, ist das nicht mehr ganz so einfach. Wir reisten dieses Mal für unsere Interviews mit dem Zug durch ganz Deutschland, wodurch Reisekosten und Übernachtungskosten entstanden. Wir standen daher einem größeren Berg von Kosten gegenüber. Da wir alle noch studierten und mit diesem Film unser Bachelorstudium abschlossen, bekamen wir von unserer Hochschule etwas Budget. Um aber unsere gesamte Finanzierung gewährleisten zu können, benötigten wir noch mehr Geld und starteten unsere Crowdfunding Kampagne. Zu diesem Zeitpunkt standen wir genau der Problematik gegenüber, die viele kleine Initiativen und Projekte haben: Wo verwalten wir das Geld, welches wir nur speziell für unser Projekt nutzen? Wenn sich aus dem Crowdfunding eine Menge Geld ergibt, auf welchem (Privat)konto soll dieses landen? Oder doch lieber auszahlen und in bar zu Hause verschließen? Das sind keine optimalen Lösungen. Bei uns lief es darauf hinaus, dass wir ein Privatkonto eigens für das Projekt neu eröffneten. Damit sind viele Risiken verbunden: Steuerrechtlich für die Privatperson, über die das Konto läuft, aber auch für die Gruppe selbst. Diese Situation setzt ein großes Vertrauensverhältnis zwischen beiden Parteien voraus. Für größere Gruppen mit mehr Menschen ist das keine gute Option.

Be Wild Film besteht nicht nur aus enger Freundschaft, wir teilen eine gemeinsame Vision unserer Zukunft und außerdem eine gemeinsame Wohnung. Das intensiviert unsere Zusammenarbeit und vereinfacht die Projektorganisation. Wir haben uns gut mit unserer Handhabung der Finanzen arrangiert. Doch für alle anderen, vor allem für große Gruppierungen von Menschen, braucht es ein Gruppenkonto, eine gemeinschaftliche Kasse, in die jede Person einzahlen und auszahlen kann. Die Idee ist so simpel, dass ich mich frage, wieso es diese Möglichkeit nicht schon länger gibt! Gemeinsame, digitale Geldverwaltung ist in so vielen Kontexten unentbehrlich. Nicht nur bürgerschaftliche Engagements, auch alle anderen Arten von Zusammenschlüssen profitieren davon: Kunstkollektive, große Wohngemeinschaften, Musik- und Sportgruppen, Schulklassen u.v.m. Es braucht einfach an so vielen Stellen ein Konto für Projekte, Initiativen und Gruppen aller Art!

Ich freue mich umso mehr, jetzt bei elinor zu sein und erfahren zu dürfen, was für unterschiedliche Aktionen, Projekte und Gemeinschaften überall zu finden sind. Und ich freue mich sehr, die Möglichkeit, die elinor bietet, selbst unterstützen zu können.
Übrigens, habe ich elinor kennengelernt, weil Be Wild Film von elinor gefragt wurde, ob wir uns bei der Reihe #ÜberInitiative auf Instagram vorstellen möchten. Nachdem ich mich damit auseinandersetzte, was elinor überhaupt ist, konnte ich den Bedarf nach einem Gruppenkonto aufgrund unserer eigenen Erfahrung sehr gut nachvollziehen. Nun darf ich selbst dazu beitragen, dass noch mehr Projekte von uns erfahren und somit von der Struktur der Gruppenkonten profitieren können.

Es ist für mich immer wieder bereichernd und motivierend zu sehen, wie Menschen sich zusammenschließen, um aktiv an unserer Gesellschaft mitzuwirken und daran arbeiten, einen Wandel anzustoßen.

 

Beitrag von Bonina Mußmann

Photos by Be Wild Film

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