Elinor Ostrom - kurze Biographie

Elinor Ostrom Elinor Ostrom

Die US-amerikanische Forscherin hat als bisher einzige Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. Sie widmete sich der Frage, wie knappe, frei verfügbare Ressourcen effizient genutzt und verteilt werden können und welche Mechanismen dabei den Gemeinschaften helfen, sich kooperativ zu organisieren. Dadurch brachte sie die Ideen von „Allmende“ und „Comons“ wieder neu ins Bewusstsein. Zur Entwicklung von elinor.network haben wir versucht, die von Ostrom entwickelten Design-Prinzipien des gemeinschaftlichen Eigentums auf Formen der solidarische Absicherung zu übertragen.

Elinor Ostrom wurde am 7.August 1933 in Los Angeles geboren. Sie wuchs in der Zeit der großen Depression auf. In ihrer Kindheit lernte und tat sie das, was Mädchen im vorherigen Jahrhundert traditionell taten, wie sie selbst sagte.

In ihrer High School Zeit trat sie dem Debattierclub bei. "Debattieren zu lernen hatte einen wichtigen frühen Einfluss auf mein Denken", schrieb Elinor Ostrom.

Nach einem Studium der Politikwissenschaften in einer männerdominierten Wissenschaftsszene verteidigte sie 1965 ihre Dissertation mit dem Titel "Public Entrepreneurship: A Case Study in Ground Water Basin Management". In dieser Arbeit beschäftigte sie sich mit dem Grundwassermanagement öffentlicher Unternehmen in Los Angeles.

Nach dem Studium ging sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, Vincent Ostrom, an die Indiana University in Bloomington, wo sie Professorin für Politikwissenschaft wurde. An der Universität gründete sie den Workshop in Political Theory and Policy Analysis, das weltweit wichtigste Zentrum für Allmendeforschung.

Elinor Ostrom lebte für die Wissenschaft. Ihre materiellen Ansprüche waren äußerst bescheiden und „Urlaub“ machte sie nur, um in Ruhe schreiben zu können. Dabei war sie aber keine trockene Theoretikerin, sondern eine temperamentvolle und herzliche Forscherin, die mit Humor ihrer Aufgabe nachging. Trotz ihrer sehr erfolgreichen Arbeit suchte sie nie Öffentlichkeit.

2009 wurde ihr als erster und bisher einziger Frau der 41. Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften zuerkannt. Am 12. Juni 2012 starb Elinor Ostrom in Bloomington, Indiana.

Allmendenforschung als Lebensaufgabe

Wie können die Ressourcen in gemeinsamer Nutzung erfolgreich verwaltet werden? Diese Problematik, die eher trocken und bürokratisch klingt, ist in der Wissenschaft als Tragödie der Allmende bekannt. Dabei ist es alles andere als abstrakte Theorie, denn es betrifft uns alle und zwar – sehr unmittelbar.

Elinor Ostrom hat ihr Leben der Frage gewidmet, die eine der hochaktuellsten Herausforderungen unserer Zeit darstellt. Die Knappheit der frei verfügbaren Ressourcen sowie deren effiziente Nutzung und faire Verteilung treten mehr und mehr ins Bewusstsein eines breiten Publikums.

Allmende-Güter sind solche, die allen potenziellen Nachfragern frei zu Verfügung stehen und bei deren Nutzung Rivalität zwischen den Nutzern herrscht. Ein bekanntes Beispiel sind Fischbestände und das Problem der Überfischung der Weltmeere.

Zwar weiß jeder Fischer, dass er durch Überfischung seinen künftigen Fang auf Spiel setzt. Trotzdem agiert er rational, wenn er versucht, möglichst viele Fische aus dem Meer zu holen. Alles, was er nachhaltig zurückgelassen hätte, würde von der Konkurrenz gefangen werden.

Zusammengefasst: Rationales Handeln der Einzelnen führt zum irrationalen Ergebnis aus der Gesamtperspektive der Gemeinschaft. Die Problematik betrifft dabei nicht nur die Fischereien, sondern auch viele andere Bereiche wie zum Beispiel die Wildtierbestände, Almen, Süßwasserbestände, Nutzung der öffentlichen Straßen, die Verhaltensstrategien rund um das Thema Klimawandel und vieles mehr.

Elinor Ostrom forschte unter anderem dazu, welche Regeln gelten müssen, damit gemeinschaftliche Nutzung erfolgreich funktioniert. Dabei blieb sie nicht in ihrem Studierzimmer sitzen, sondern besuchte Almbauern und Fischer in aller Welt, um von ihnen zu erfahren, wie sie die Nutzung ihrer Allmende meistern. Eine ihrer spannendsten Erkenntnisse ist, dass die beteiligten Menschen vor Ort oft die besten Lösungen für ihre Probleme finden. In manchen Bereichen sind dezentrale Ansätze effizienter, als die Regulierung durch den Staat oder den freien Markt, so Elinor Ostrom. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Bereitschaft der Menschen zur Kooperation und die Festlegung eines Regelwerkes unter Mitwirkung aller Betroffenen.

Quellen: