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Wer hilft der Kunst- und Kulturbranche während der Pandemie – eine Übersicht

Mai 26, 2021 | 0 Kommentare

 

Zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland gehören 256.000 Unternehmen. Daneben sind rund 600.000 Selbständige, einschließlich der Künstlerinnen und Künstler, in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Darunter sind rund 340.000 sogenannte Mini-Selbständige mit einem Umsatz unter 17.500 Euro pro Jahr. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen haben im Frühjahr 2020 den Kunst- und Kulturbereich zum Erliegen gebracht.

Im März 2020 haben wir uns die Frage gestellt, wie wir uns engagieren und ein Zeichen der Solidarität mit den Kunst- und Kulturschaffenden setzen können. Praktisch über Nacht haben wir bereits am 19. März die online Spendenaktion KunstNothilfe gestartet. Seitdem werden unter www.kunstnothilfe.de Spenden gesammelt und Betroffene können unkompliziert eine einmalige Unterstützung bis zu 1.000 EUR beantragen. Ein Gremium aus Künstler*innen entscheidet, wer unterstützt wird. Mittlerweile gehen wir in die 13. Auszahlungsrunde – alle wichtigen Links zum Antrag findet ihr unten im Beitrag.

Wie finanziert sich die Kunstnothilfe? Neben Privatspenden haben viele solidarische Personen und Kollektive mit freien Projekten die KunstNothilfe vorangetrieben und gefördert. Die Darsteller*innen, Autor*innen und Kreative der Serie Ausgebremst für TNT Comedy haben z.B. auf ihre Gagen verzichtet und die Werbeeinnahmen gespendet. Auch die Kornfeld Galerie hat mit uns eine Auktion gestartet. Mit dabei waren über 25 geschenkte Bilder und Werke von international renommierten Kunstschaffenden, wie beispielsweise Valérie Favre, Tammam Azzam, Christopher Lehmpfuhl, Armin Boehm und Elvira Bach. Der Verkaufserlös des Buches „Tage wie diese“  – herausgegeben von Alex Berlin und erschienen im Finebooks Verlag – ging auch an die KunstNothilfe. Dank ihnen und vielen mehr haben wir bis jetzt über 386.000 € von über 1500 Spender*innen gesammelt und konnten somit mehr als 500 Kunst- und Kulturschaffende unterstützen.

Annette Kruhl, Kabarettistin und Theaterautorin schreibt über die Unterstützung:

„In der aktuellen Krise sind freiberufliche Künstlerinnen und Künstler besonders hart getroffen. Für mich als Kabarettistin und Theaterautorin bedeutet die derzeitige Situation einen kompletten Stillstand meiner Berufsbranche und demzufolge einen kompletten Ausfall von Einnahmen. Die Hilfemaßnahmen der Politik greifen vielfach zu kurz und die Durchführung von Veranstaltungen wird vorerst nur unter Auflagen möglich sein, die sowohl für Künstler als auch Veranstalter unwirtschaftlich und somit wenig sinnvoll sind. In einer solch existenzbedrohenden Lage ist jede Art der finanziellen und ideellen Unterstützung von großer Bedeutung. Hier leistet die KunstNothilfe einen wertvollen Beitrag, um Kunst und Künstler im wahrsten Sinne des Wortes am Leben zu erhalten. Herzlichen Dank für diese wunderbare Initiative!“

Nach dem Vorbild der KunstNothilfe hat Stern die Aktion Backstage-Helden gestartet. Alle Spenden wurden auf das dafür eingerichtete elinor Gruppenkonto überwiesen und an Beleuchter, Kameraleute und andere Backstage Menschen verteilt, die einen Antrag auf finanzielle Hilfe einreicht hatten.

Mit der KunstNothilfe haben wir uns um den Deutschen Kulturförderpreis beworben, der herausragendes kulturelles Engagement von Unternehmen und unternehmensnahen Stiftungen würdigt. 132 Projekte haben sich um den Preis 2020/21 beworben, darunter über 40 mit Bezug zur Covid-19-Pandemie. Einige von diesen Projekten fanden wir großartig und wir möchten sie euch auch präsentieren:

pst medienbühne – LeseLounge von 8 bis 8
Mit dem LeseLounge e.V. hat der Geschäftsführer von pst medienbühne einen Verein gegründet, der normalerweise Vorleseaktionen in Schulen, Kitas, Seniorenheimen und Krankenhäusern umsetzt. Der Verein organisiert Bücherschränke und fördert mit der LeseLounge-Akademie die Sprech- und Vorlesekultur. Mit Beginn der Corona-Pandemie sind die VorleserInnen der LeseLounge ins virtuelle Wohnzimmer umgezogen und lesen nun bei der Aktion von 8 bis 8 über die eigene Homepage via Live-Stream auf YouTube, bei Twitch, Facebook- und Instagram für Kinder und Erwachsene vor.

fritz-kola – clubretter
Gemeinsam mit BUDNI hat fritz-kola im Frühjahr 2020 die Aktion „clubretter“ ins Leben gerufen, um die Hamburger Clublandschaft in Form von Spenden zu unterstützen. Die fritz-kulturgüter GmbH, als Initiator des Projekts, designte, finanzierte und produzierte die erste Charge an „clubretter“-Shirts und stellte diese dem Partner BUDNI für den stationären Verkauf über dessen Filialen bereit. Nach einer erfolgreichen ersten Charge schloss sich der FC St. Pauli für zwei weitere Chargen an. Neben den BUDNI-Filialen verkaufte jetzt auch der Hamburger Fußballclub die Shirts über seinen Online-Shop und den Fan-Shop am Millerntor-Stadion. Insgesamt kamen durch die Aktion über 50.000 Euro der Hamburger Clubstiftung zugute.

Flughafen Stuttgart – Stuttgart Airport als Gastgeber für 1:1 Concerts
Wo sich sonst Reisende tummeln, herrschte im vergangenen Jahr eine ungewohnte Ruhe: Aufgrund der Corona-Pandemie waren im Terminal 1 des Stuttgarter Flughfens kaum Passagiere unterwegs. Anfang Mai 2020 wurde diese seltene Stille kunstvoll unterbrochen: Die menschenleere Abflughalle des baden-württembergischen Landesflughafens war Schauplatz der weltweit ersten 1:1 Concerts an einem Flughafen. Das Staatsorchester Stuttgart und das SWR Symphonieorchester schafften gemeinsam mit den Initiatoren und dem Stuttgart Airport als Gastgeber die Möglichkeit eines musikalischen Live-Erlebnisses unter Berücksichtigung der Corona-Schutzmaßnahmen: Ein*e Musiker*in spielte für eine*n Hörer*in und schuf ein intimes Konzerterlebnis trotz gewahrter Distanz.

Provisuell Mathias Schindler – Notfalllehrwerkstatt für Auszubildende
Durch die Initiative der Firma Provisuell konnte zum Jahresbeginn 2021 eine „Notfalllehrwerkstatt“ in Bielefeld eingerichtet werden. Rund 30 Auszubildende sind dort angemeldet und werden über sechs Monate unterrichtet. Der Stammbetrieb sichert dabei den Unterricht im Bereich „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“. Die Betriebe können sich als Dozenten mit Räumlichkeiten oder Material einbringen und somit die praktische Ausbildung ihrer Auszubildenden weiter gewährleisten.

 

 

In der Hoffnung, dass die Kunst- und Kulturveranstaltungen bald wieder normal stattfinden dürfen, wünschen wir den Kunst- und Kulturschaffenden viel Erfolg und Durchhaltevermögen.

Weiterführende Links:
Link zum Antrag auf die KunstNotilfe

 

Beitrag von Chiara Marchi

Photo by Svetlana Pochatun on Unsplash

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