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Interview: Freiburger Städträtin Vanessa Carboni über ihren persönlichen Weg in die Bildungspolitik

Mai 10, 2021 | 0 Kommentare

„Ich bin nun seit knapp zwei Jahren mit großer Freude und Leidenschaft Stadträtin in Freiburg. Diese Zeit ist für mich keine Selbstverständlichkeit. Es bleibt vielmehr ein Privileg, mit den Menschen und für uns alle Politik zu machen.“ 

Das Mitglied im Freiburger Stadtrat und Fraktionsmitglied der GRÜNEN Vanessa Carboni haben wir bereits in unserem Beitrag zu #ÜberInitiative auf Instagram vorgestellt. Wir durften der engagierten Stadträtin einige Fragen stellen:

elinor: Aus welcher Notwendigkeit heraus wurdest du initiativ?

Vanessa Carboni: Klimakrise stoppen, Bildung für alle, Demokratie stärken und Gleichberechtigung fördern– die Themen waren viele. Tatsächlich Farbe bekannt habe ich 2015, in der Zeit, in der Geflüchtete in Europa Schutz suchten und leider antidemokratische und menschenverachtende Kräfte sichtbar wurden. Da stand für mich fest: Ich muss den Grünen beitreten! Sie stehen für eine moderne, tolerante, vielfältige und verantwortungsvolle Gesellschaft, die auch die Konfrontation nicht scheut und klar zu ihren weltoffenen Werten steht. Sich nun als Stadträtin für die GRÜNEN in Freiburg zu engagieren bedeutet für mich für eine nachhaltige Zukunft zu kämpfen für die Menschen, Tiere und die Umwelt. Ich bin sehr dankbar, meinen Beitrag für eine klimagerechte und soziale Zukunft in Freiburg aktiv einbringen zu können.

elinor: Dein Herzensthema ist die Bildungspolitik. Was ist für dich dabei besonders wichtig?

Vanessa Carboni: Mein Ziel ist: Kein Kind darf verloren gehen! Bildungspolitik ist klar mein Schwerpunkt – besonders möchte ich mich für längeres gemeinsames Lernen und die Stärkung der Gemeinschaftsschulen einsetzen – die zwingend eine gymnasiale Oberstufe haben, um auch bildungsnahe Eltern für diese Schulform gewinnen und eine gute soziale Mischung erreichen. Das habe ich in der jetzigen Legislatur für Dietenbach unterstützt und bewirkt und möchte das auch gerne für den Tuniberg – gemeinsam mit den Grünen und Akteur*innen der Zivilgesellschaft, wie dem Bündnis ‚Eine Schule für alle‘, um allen Kindern ein gutes Bildungsfundament zu bieten.

Zum Bildungsweg gehören aber auch die beruflichen Schulen – aus einer Handwerksfamilie kommend weiß ich wie hart auch dieser Weg sein kann – und auch dieser Bildungszweig muss politisch Beachtung finden. Das Handwerk ist für den Klimaschutz, die Integration von Geflüchteten und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein elementarer Bestandteil. Deshalb bin ich aktiv ins Gespräch und habe alle beruflichen Schulen in Freiburg abgeklappert und besonders in Haushaltsverhandlungen eingesetzt, dass auch dieser Bereich nicht übergangen wird.

Chancengerechtigkeit und Bildungsteilhabe sind mir nicht nur als ausgebildete Lehrerin, sondern vor allem als Arbeiterkind ein Herzensanliegen. Als Erste in meiner Familie, die einen Universitäts-Abschluss hat, brenne ich dafür und möchte politisch umsetzen, dass Bildungserfolg eben nicht von der sozialen Herkunft abhängt.

elinor: Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind dir als Grüne natürlich auch wichtig. Wo setzt du persönlich deinen Fokus aktuell?

Vanessa Carboni: Beim Thema Klimaschutz machen wir in Freiburg schon richtig viel Gutes. Der Bereich ist aber enorm und so bieten sich viele Möglichkeiten aktiv zu werden. Wusstet ihr, dass der landwirtschaftliche Sektor mehr Klimagifte verursacht als der gesamte Verkehrssektor zusammen? Welch ein Potential für Klimaschutz in der Landwirtschaft steckt – Enorm! Denn Freiburg hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2030 will die Stadt die klimaschädlichen Emissionen um mindestens 50 Prozent senken und als langfristiges Ziel Klimaneutralität für das Jahr 2050. Im Klimaschutzkonzept der Stadt wird regionale, saisonale, biologisch erzeugte und fleischreduzierte Ernährung als Ziel gesetzt. Freiburg ist Mitglied der Bio-Musterregion, die die Wertschöpfung bio-regionaler Produkte fördern möchte. Um den zahlreichen Absichtserklärung der Stadt nun auch Taten folgen zu lassen setzt ich mich für ein stufenweises Ernährungskonzept mit konkreten Maßnahmen ein: 100% Bio bis 2030 – wäre mein Wunsch! Andere Städte, wie Bremen oder Karlsruhe machen es vor!  Für gesundes und umweltfreundliches Essen in Freiburg aber auch für Planungssicherheit für die Landwirt*innen der Region muss die Stadt endlich aktiv werden. Denn die Nachfragemacht der städtischen Kitas, Schulen, Betriebe, Kantinen und Empfängen sind enorm und sollten genutzt werden!  Die „Green City“ soll ihrem Titel auch in der städtischen Ernährungsversorgung gerecht werden!

elinor: Was würdest du deinem jüngeren selbst an die Hand geben?

Vanessa Carboni: Meinem jüngeren Ich und den jungen Menschen allgemein sage ich klar: Seid laut, mischt euch ein und traut euch etwas zu. Ja, auch deine Sicht auf die Welt ist wertvoll und verdient gehört zu werden! Spätestens seit Fridays For Future ist aber heute zum Glück klar, wie groß der Einfluss der jungen Generation auf die Politik ist. Junge Menschen wollen sich an den Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit beteiligen und brauchen dafür politische Unterstützung und Repräsentanz in den Parlamenten. Ich bin bereit, weiter zu machen und für eine grüne, gerechte und gleichberechtigte Zukunft zu kämpfen!

Hintergrund:
Vanessa Carboni (*1992) ist eine glühende Europäerin mit deutschem und italienischen Pass. In Stuttgart geboren, zog sie 2011 nach Freiburg und studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Politik- und Wirtschaftswissenschaften, Geschichte und Italienisch auf Staatsexamen. Seit 2015 ist Vanessa Carboni Mitglied bei den GRÜNEN und kämpft hier für eine bildungsgerechte, klimafreundliche und gleichberechtigte Zukunft. Die italienische Küche ist ihre Passion und der sportliche Ausgleich durch Yoga darf bei ihr nicht zu kurz kommen. (via Website der Grünen Fraktion Freiburg). Mehr Infos zu ihrer Person findet ihr auf ihrem Instagram-Account und ihrem Linktree.

Beitrag von Katrin Krumm

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